Existenzbedrohende Risiken

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Wenn Ärzte den Berufsunfähigkeitsschutz gefährden, helfen nur noch die Götter (oder Richter)

Wenn Ärzte den Berufsunfähigkeitsschutz gefährden, helfen nur noch die Götter (oder Richter)

Der Chef der Techniker Krankenkasse hat nun auch offiziell bestätigt, was viele Versicherungsmakler schon seit Jahren wissen. Die Ärzte stellen falsche Diagnosen, um mehr Geld mit der Krankenkasse abrechnen zu können. Und die Krankenkassen haben nicht mal etwas dagegen, denn so können sie mehr Geld aus dem Risikofinanzausgleich beanspruchen. Und nun kommt also auch noch ans Licht, dass die Kassen die Ärzte dafür sogar belohnen und ungefähr 10€ pro Fall zahlen, wenn der Arzt einen Patienten auf dem Papier kränker macht, als er tatsächlich ist. (https://www.welt.de/wirtschaft/article158653354/So-mogeln-Krankenkassen-bei-der-Abrechnung.html)

Also ein völlig abgekatertes Spiel. Und wer sind die Leidtragenden?

Richtig, wie immer Jeder einzelne von uns. Gesetzlich Krankenversicherte zahlen nämlich so über die Beiträge für Befunde und Behandlungen die gar nicht notwendig sind oder gar nicht stattgefunden haben. Kein Wunder also, dass die Finanzierungslücke immer größer wird und die Beiträge für die Krankenversicherung jedes Jahr so drastisch steigen. Schon heute sprechen Experten davon, dass wir bis 2020 bei über 20% Krankenversicherungsbeitrag in der Gesetzlichen Krankenversicherung liegen, weil die Kosten des Systems einfach nicht mehr gedeckt werden. Warum die Kosten aber so hoch sind, lässt sich zumindest in kleinen Teilen mit dieser Praxis des Schönrechnens erklären. Ich hoffe inständig, dass sich nun staatlich irgendeine Instanz berufen fühlt, dieses Treiben zu beenden und ein Kontrollorgan zu schaffen.

Aber nicht genug, dass sich so Ärzte und Kassen die Taschen mit unserem Geld voll machen. Es kann im schlimmsten Fall auch Auswirkungen auf private Versicherungsverträge haben.

So werden in der Berufsunfähigkeitsversicherung, der privaten Krankenversicherung, der Risikolebensversicherung und auch der Unfallversicherung Gesundheitsfragen gestellt. Es geht darum, dass die Versicherung für die Einschätzung des individuellen Risikos des Kunden wissen möchte, welche Vorerkrankungen vorhanden sind. Also war der Kunde schon mal wegen Rückenschmerzen oder depressiven Verstimmungen in Behandlung oder hat eine chronische Krankheit. In solchen Fällen schließen sie bestimmte Leistungsfälle aus oder berechnen einen Zuschlag oder lehnen die Versicherung im schlimmsten Fall ganz ab.

Nun mache ich mit meinen Kunden bei den Versicherungen schon immer eine Risikovoranfrage. Das bedeutet wir gehen die Fragen, die bei den Versicherungen gestellt werden einmal durch und schicken sie danach an die Versicherungsgesellschaften, die in Frage kommen. Die prüfen dann anhand der Angaben, wie sie bei einem Antrag, der diese Fragen enthalten würde, entscheiden würden und Makler und Kunde haben im Anschluss einen super Überblick, welche Gesellschaft wohlwollend für den Kunden entscheidet. Diese Anfragen werden nirgendwo gespeichert und sind somit ideal, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Nun bespreche ich mit meinen Kunden diese Fragen sehr detailliert. Und natürlich kennt der Kunde nur die Beschwerden, mit denen er zum Arzt gegangen ist und weiß, was ihm der Arzt gesagt hat. Das sollte im Idealfall natürlich auch das sein, was in der Krankenakte steht. Und an dieser Stelle kann nun wohl jeder Berater ein Lied davon singen, welche Erfahrungen er so gemacht hat.

So habe ich einige Kunden, die mal eine Magen- oder Darmspiegelung hatten, die nach eigenen Angaben aber ohne Befund war und danach auch keine Behandlung mehr stattgefunden hat. Wer weiß, was die Ärzte da noch abgerechnet haben. Oder ein ganz aktueller Fall. Eine Kundin hatte Rückenschmerzen. Der Arzt hat eine neue Matratze empfohlen und den Vitamin D-Wert geprüft, dabei festgestellt, dass er zu gering ist und Vitamin D verschrieben. Zack. Beschwerden weg. Die Arztanfrage, die die Versicherung nun beim Arzt gestellt hat, hat dazu geführt, dass der komplette Rücken aus der Versicherung ausgeschlossen werden soll. Da der liebe Arzt unter Garantie mehr abgerechnet und die Kundin kränken gemacht, als sie war und als er ihr gesagt hat.

Ein super Beispiel sind auch Krankschreibungen wegen akuter Unlust oder Stress oder Schwierigkeiten mit dem Chef. Der Arzt stellt in bestimmt 90% der Fälle eine psychische Diagnose, also Überlastung, Erschöpfung o.ä. Wenn die Versicherung, egal ob Berufsunfähigkeit, private Krankenversicherung o.ä. im Leistungsfall die Krankenakten einfordert und diese Diagnosen sieht, war es das mit dem Versicherungsschutz. Die Versicherung wirft dem Kunden Täuschung vor und der Vertrag ist nichtig. Und das alles bloß, weil der Arzt den Kunden kränker macht, um dick abzukassieren.

Der Rebell in mir sagt, dass in solchen Fällen der Arzt verklagt werden soll. Mit dem Eingeständnis des TK-Chefs haben solche Kunden vielleicht nun wirklich die Chance die Leistung bei der Versicherung einzuklagen. Und ich hoffe inständig, dass die Versicherungen die Prozesskosten dann an den Arzt weiter klagen, der mit seiner (mir fällt einfach kein passenderes Wort ein als) Gier, diesen Prozess überhaupt erst notwendig gemacht hat.

Ich jedenfalls hoffe inständig, dass die Bekanntmachung zu Veränderungen führt. Zum einen in der Abrechnungsmaschinerie der Ärzte und gesetzlichen Krankenkassen und in der Einklagung von Leistungen bei Versicherern, sollte die Leistung verweigert werden.

Momentan stehen uns in diesem Spiel also garantiert die Götter, wenn auch garantiert nicht die Götter in weiß und hoffentlich auch die Justiz zur Seite. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

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