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Wann sich Betriebliche Altersvorsorge für den Kunden lohnt

Wann sich Betriebliche Altersvorsorge für den Kunden lohnt

Und wieder ein Wunschartikel. Diesmal soll es um das Thema Betriebliche Altersvorsorge gehen.

Im Prinzip funktioniert diese Form der Anlage ähnlich, wie die schon beschriebenen bei Kapitallebensversicherungen, Riester und Rürup.

Es gibt verschiedene „Zusagearten" bei der betrieblichen Altersvorsorge:

  • Reine Leistungszusage: Der Arbeitgeber sagt Versorgungsleistungen in genauer Höhe zu, der Aufwand dafür spielt keine Rolle
  • Beitragsorientierte Leistungszusage: Der Arbeitgeber verpflichtet sich, konkrete Beitragsaufwendungen in eine Anwartschaft auf Versorgungsleistungen umzuwandeln, erst danach ergeben sich bestimmte Leistungshöhen aus diesen Aufwendungen.
  • Beitragszusage mit Mindestleistung: Der Arbeitgeber verpflichtet sich, Beiträge an einen Pensionsfonds, eine Pensionskasse oder eine Direktversicherung zu zahlen. Zugleich übernimmt er die Garantie, dass zur Altersversorgung mindestens die Beitragssumme, abzüglich verbrauchter Risikoteile, zur Verfügung steht.

Zudem gibt es verschiedene Durchführungswege:

  1. Direkt- oder Pensionszusage
  2. Pensionskasse
  3. Direktversicherung
  4. Unterstützungskasse
  5. Pensionsfonds

In der Regel hat der Arbeitnehmer keine Möglichkeit zu wählen, da der Arbeitgeber die Form und den Durchführungsweg festlegt. Sofern eine Versicherungsgesellschaft beteiligt ist, ist auch die in der Regel vom Arbeitgeber vorgegeben. Daher konzentriere ich mich auf die Parameter, die der Kunde beeinflussen kann.

Da ist zum einen die Frage, ob die Betriebliche Altersvorsorge überhaupt als Altersvorsorge-Form gewählt werden soll. Schon bei dieser Frage, kommt es auf die Form an, in der Beiträge in den Vertrag fließen sollen.

  • Sofern der Arbeitgeber die Beiträge für die Betriebliche Altersvorsorge komplett übernimmt, sollte es auf jeden Fall angenommen werden.
  • Sofern der Arbeitgeber keine Beiträge übernimmt, sondern nur eine Entgeltumwandlung anbietet, also das der Arbeitnehmer einen Teil seines Brutto-Gehaltes als Beitrag in den Vertrag einzahlt, ist Vorsicht geboten
  • Sofern es sich um eine Mischform der beiden oberen Punkte handelt, kommt es auf die individuelle Situation an.

Wir schauen uns mal die Entgeltumwandlung näher an. Dort wird der Beitrag, der in den Vertrag fließt, in der Gehaltsabrechnung bereits vom Brutto-Gehalt abgezogen. Das hat den Vorteil, dass keine Steuern und keine Sozialversicherungsabgaben zu zahlen sind. Das bedeutet z.B: es werden 100€ in den Vertrag eingezahlt. Netto fehlen dem Kunden aber nur 50€ am Ende des Monats in der Geldbörse. So kann Altersvorsorge auf Kosten des Staates betrieben werden.

Wie schon in den anderen Artikeln erwähnt, stellt sich die Frage, ob der Staat uns wirklich etwas schenkt…

Natürlich nicht. Die Steuern, die ich bei der Einzahlung der Beiträge spare, zahle ich in der Rentenphase, denn die Rente ist voll zu versteuern.

Hinzu kommt aber noch, dass auch die Sozialversicherungsbeiträge, die in der Beitragszahlphase gespart werden, auch in der Rentenphase fällig werden. So ist die betriebliche Altersvorsorge die einzige Form, bei der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge von der Rente abgezogen werden.

Damit aber nicht genug. Denn die Höhe der Beiträge ist eine andere, als in der aktiven Arbeitszeit. Dort werden die Beiträge für die Sozialversicherungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber geteilt. Zu den jeweiligen Sätzen erfahrt ihr im Artikel zu den Sozialversicherungen mehr (LINK) In der Rentenphase gibt es aber keinen Arbeitnehmer mehr, der einen Teil der Beiträge übernehmen kann. Also werden die vollen Beiträge von der Rente abgezogen. Dies sind Stand heute 15,7% für die Krankenversicherung und 2,35% für die Pflegeversicherung. Also knapp 20%, die neben der Steuer noch von der Rente abgezogen werden.

Das bedeutet, dass ca. 50% der Rente aus der betrieblichen Altersvorsorge an den Staat und die Sozialversicherung abfließt. Das macht eine reine Entgeltumwandlung nicht lohnenswert.

Ein weiterer Nachteil der betrieblichen Altersvorsorge zeigt sich, wenn der Arbeitgeber gewechselt wird. In der Regel hat jeder Arbeitgeber seinen eigenen Durchführungsweg und Partner dafür. Die bisherige Betriebliche Altersvorsorge wird stillgelegt und eine neue beim neuen Arbeitgeber gestartet. Wie auch die anderen Formen der Altersvorsorge hat auch die Betriebliche Altersvorsorge durchaus hohe Kosten, die größtenteils in den ersten 5 Vertragsjahren gezahlt werden. Bei einem Arbeitgeberwechsel werden also in dem neuen Vertrag wieder hohe Kosten fällig. Bei geschenktem Geld mag auch das egal sein, aber bei der Entgeltumwandlung wird das zum Killer. Denn in der Regel wird der neue Arbeitgeber nicht den bisherigen Vertrag übernehmen.

Es gibt dann zwei Möglichkeiten.

  1. Entweder lass ich den bisherigen Vertrag ruhen und bekomme im Alter eine kleine Rente daraus
  2. Oder ich nehme das Kapital aus dem Vertrag mit in den neuen Vertrag. Und hier wird es richtig paradox. Denn das Kapital ist natürlich der Wert des Vertrages, also die Kosten sind bereits abgezogen. Für den neuen Vertrag gilt das natürlich als Einzahlung und die Kosten des Vertrages bemessen sich nach den Einzahlungen. Ich zahle also aus dem bisherigen Kapital noch einmal Kosten.

In der Praxis kommt hinzu, dass viele Gesellschaften es unglaublich schwer machen, das Kapital in den neuen Vertrag zu transferieren. Bei einem meiner Kunden hat die Versicherungsgesellschaft das trotz mehreren Aufforderungen auch nach 2 Jahren immer noch nicht durchgeführt.

Wenn der Arbeitgeber alle Beiträge übernimmt, ist es geschenktes Geld. Da ist es dann prinzipiell auch egal, wie hoch die Abgaben sind, denn ohne den Arbeitgeber und das geschenkte Geld, hätte man gar keine zusätzliche Rente.

Wenn der Arbeitgeber einen Teil der Beiträge übernimmt, ist es wichtig auszurechnen, bis zu welchem Punkt sich dies rentiert. Denn ein Teil geschenktes Geld ist auch nicht gut, wenn ich davon zu viel meines eigenen Geldes in der Rentenphase an staatliche Träger abgeben muss.

Die Betriebliche Altersvorsorge lohnt sich,
wenn der Arbeitgeber zahlt maßgeblich.
Denn es ist wie mit dem geschenkten Gaul,
schau ihm nicht zu tief ins Maul.
Wenn nur du einzahlst, lass die Finger davon,
sonst reicht die Rente im Alter nicht mal für die Halbpension.

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