Existenzbedrohende Risiken

Wissenswertes
Schriftgröße: +

Verträge bei Fairr.de sind alles, aber fair garantiert nicht

Gestern Abend habe ich im Fernsehen die Werbung für fairr.de gesehen. Dort wird mit einfachen Comiczeichnungen dafür geworben den Riester-Vertrag zu wechseln.

Als bekennende Riester-Hasserin, weil für die wenigsten Kunden lukrativ und einfach Volksverarsche, hab mich dann gleich mal auf die Seite begeben. Und kriege meinen Blutdruck gerade schwer wieder runter.

So das grundsätzliche Riester-Thema spare ich mir aber mal für einen anderen Text. Also geht heute um den beworbenen Riester-Wechsel.

Auf der Internetseite geb ich also fiktive Daten ein, was ich einzahle, wie hoch meine Einmalanlage (wieso eigentlich Einmalanlage?) und wie hoch mein „Wechselvermögen" aus dem alten Riester-Vertrag ist. Und zack bekomme ich ein Angebot, wie viel Geld ich am Ende zur Verfügung hab und wie hoch meine Rente ist. Aber Moment, wo kommt denn die Renditeannahme von 7% her? Ach die ist voreingestellt. Interessant. Soll dem armen Kunden also suggerieren, dass 7% realistisch und möglich sind.

So die erste Blutdruck-Tablette. Riester ist ein staatlich gefördertes Produkt, daher muss der Großteil der Gelder festverzinslich, also quasi ohne Risiko angelegt werden. Da sind momentan aber in der Regel nicht mehr als 2% drin. Der Garantiezins liegt übrigens bei 1,25% und das gilt auch für Riester-Verträge. Und lediglich der Rest, also 20%-30% des Geldes darf in Aktien, Anleihen etc. angelegt werden. Also sind 7% Rendite völlig utopisch. Marketinggewäsch!!

Dann steht da noch was zu „Wie vergleiche ich meinen Riester". Also ich versteh was da steht, der gemeine Kunde aber nicht. Und das ist meines Erachtens auch Ziel. Dass der Kunde da mit viereckigen Augen sitzt und denkt „Hä"?, aber wird schon stimmen. Klingt logisch." Wo ist denn nun der Vergleich mit meinem fiktiven Riester-Vertrag? Fehlanzeige. Gibt's nicht. Nirgendwo wird gefragt, wo ich den abgeschlossen hab, wann, das macht nämlich für den Garantiezins einen großen Unterschied etc. Aber ich kann toll sehen, wiiieeee viiiieeel Geld ich am Ende hab. Sicherlich…!!!

Aber nehmen wir an ich will das abschließen. Der Wechsel wird ganz leicht gemacht. Adresse und Vertragsnummer des alten Vertrages angeben und fairr.de kündigt meinen alten Vertrag. Aber wo steht nun, dass bei einer Kündigung Wechselgebühren beim alten Anbieter anfallen? Zwar maximal 150 €, aber auch die müssen erst mal wieder erwirtschaftet werden.

Zweite Blutdrucktablette. Und wo steht, dass ich die Abschlusskosten erneut zu tragen hab? Denn in den meisten Fällen werden die Abschluss- und Vertriebskosten in den ersten 5 Jahren der Laufzeit gezahlt. Das heißt es liegt weniger Kapital im Vertrag, als ich eingezahlt habe. Wenn ich nun den Anbieter wechsele, fallen die Abschluss- und Vertriebskosten erneut an und werden wieder auf die ersten 5 Jahre verteilt. Sollte ich wechseln hab ich also gaaaannnnz viel Geld an die Anbieter verschenkt. Und wenn ich dann das Kapital aus dem alten Vertrag mitnehme, zahle ich beim neuen Anbieter darauf natürlich auch noch mal Abschluss- und Vertriebskosten.

Als Anbieter bzw. Verwalter des Vertrages wird übrigens die Sutor Bank, eine Privatbank aus Hamburg genannt. Hab ich mir angesehen, macht prinzipiell einen guten Eindruck. Vermögensverwaltung können sie, ob sie das aber befähigt eine gute Riester-Anlage zu gestalten sei mal dahin gestellt. Zumal sich mir dann die Frage stellt, was passiert in der Auszahlphase. Die Sutor-Bank ist eine Bank und keine Versicherung. Die werden keine Lust haben, nachher monatlich Gelder auszuzahlen. Das würde bedeuten, das Riester-Guthaben muss bei Rentenbeginn zu einer anderen Gesellschaft übertragen werden, damit es monatlich ausgezahlt werden kann. Und auch diesen Wechsel lässt sich die neue Gesellschaft natürlich bezahlen.

Also mal ein Blick in die AGB um zu schauen, ob und wo das denn nun alles steht, denn der Kunde muss ja eigentlich darüber informiert werden. Und es gibt ja eine Haftung für Beratung, d.h. der Berater, sofern er nicht als Vertreter der Bank oder Versicherung agiert, was fairr.de ausdrücklich nicht tut, wie sie schreiben, ist dafür haftbar, was er erzählt oder schreibt.

Aber weit gefehlt. „Die Fairr.de GmbH weist ausdrücklich darauf hin, dass sie gegenüber dem Vertragspartner keinerlei Beratungsleistungen […]. Es ist allein Sache des Vertragspartners, sich über den Riester-Sparplan bzw. Rürup-Sparplan und die weiteren relevanten Aspekte der Anlagevermittlung durch die Fairr.de GmbH zu informieren." Ach wie schön. Dem Kunden wird zugemutet sich alle Informationen selbst zu beschaffen, sich einzulesen und natürlich sie zu verstehen. Und am Ende ein erwarteter Haftungsausschluss. „Die Haftung der Fairr.de GmbH […]ist ausgeschlossen, […]" So mein Kopf ist mittlerweile knallrot und ich stoße beim Atmen Rauch aus Nase und Mund.

Fazit: Ein absolut unseriöses Produkt, zweifelhafter Herkunft und mit dem einzigen Ziel dem Inhaber von fairr.de eine Menge Geld in die Tasche zu spielen.

Und wieder mal zeigt es sich,
Rentenverträge wechseln lohnt oft nicht.
Da will nur noch einer viel Geld verdienen,
natürlich auf Kosten von Ihnen.

Knip, GetSafe und wie sie nicht alle heißen die Be...

Ähnliche Beiträge