Existenzbedrohende Risiken

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Rürup – Zu so viel Mittelmäßigkeit fällt mir kein guter Untertitel ein

Rürup – Zu so viel Mittelmäßigkeit fällt mir kein guter Untertitel ein

Eure Wünsche sind mir Befehl. Also hier meine geistigen Ergüsse zum Thema Rürup-Rente.

Die Rürup-Rente (Basis-Rente) ist nach dem Ökonomen Bert Rürup benannt und wurde 2005 eingeführt. Die Haupt-Zielgruppe sind Selbstständige, also die Personengruppen, die Riester nicht besparen können und nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Wobei ich hab schon so viele Rürup-Verträge bei Angestellten gesehen. Da verschwimmen wohl die Zielgruppen.

Rürup gibt es, wie Riester, in verschiedenen Ausführungen: Als klassische Rentenversicherung (dann ist es eine Kapitallebensversicherung (Kapitallebensversicherungen) nur mit anderem Namen, als fondsgebundene Rentenversicherung oder als Fondssparplan.

Die fondsgebundene Rentenversicherung ist, je nach Ausgestaltung, ähnlich wie eine Kapitallebensversicherung (den Link habt ihr oben schon mal) und bedeutet, dass das Geld, was nicht für die Abbildung der Garantie gebraucht wird in Fonds angelegt wird und auch die Überschüsse in Fonds investiert werden. Hier spricht man schon von der" risikoreicheren Variante". Meines Erachtens völliger Quatsch. Ich hab eine Garantie, und lediglich ein winziger Teil des Geldes wird in Fonds investiert. So richtig viel Risiko kann ich da nicht erkennen.

EXKURS:
Fonds sind Bündelungen von Aktien von 50 bis 150 verschiedenen Unternehmen, je nach Fond. Es gibt Länderfonds (z.B. nur amerikanische Unternehmen) oder Branchenfonds (z.B. nur IT-Unternehmen) und ganz ganz viele Mischformen. In Deutschland sind ca. 12.000 Fonds öffentlich zugelassen. Das eingezahlte Geld wird also auf 50 bis 150 Unternehmen verteilt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die alle gleichzeitig pleitegehen, ist doch recht gering. Und wenn es dann Fonds sind, die aus allen Ländern und allen Branchen wählen, ist das Risiko noch geringer.
Exkurs Ende

Warum erklär ich die Verfahrensweise eines Fonds? Es gibt bei Rürup auch die Möglichkeit eines Fondsparplans oder einer „echten" fondsgebundenen Rentenversicherung. Das bedeutet, dass das gesamte Geld in Fonds investiert wird. Die Fonds kann man aus einer bestimmten Anzahl natürlich selbst wählen. Aus wie vielen Fonds man wählen kann hängt von der Gesellschaft ab, bei der man den Rürup-Vertrag abschließt. Das bedeutet natürlich, dass keine Rente garantiert werden kann. Das Geld liegt ja schließlich in Fonds, die im Wert schwanken. Als Ersatz dafür gibt es einen Rentenfaktor. Der sagt, dass ich pro 10.000€ Vertragskapital, was am Ende im Vertrag liegt xx€ Rente bekomme. Mit einem Rentenfaktor von 23€ würde man also bei einem Vertragskapital von 200.000€ eine Rente von 460€ pro Monat bekommen (200.000€/10.000€*23€)

In der Ansparphase kann der Beitrag für die Rürup-Rente von der Steuer abgesetzt werden. Da wäre ich wieder bei dem Punkt, dass ich frage, will ich Altersvorsorge machen oder Steuern sparen? Warum verbindet man das? Sinnvoll ist es nur, wenn ich den Betrag der Steuerersparnis, dann wieder in Altersvorsorge investiere, was aber wohl kaum jemand tut. Wie viel % des Beitrags ich von der Steuer absetzen kann, ändert sich jedes Jahr bis 2025.

Ansparphase: absetzbare Sonderausgaben
​Steuer-
jahr
​2005 ​200​6 ​...​2011​2012​2013​2014​2015​...ab 2025
​Anteil ​60% ​62% ​...​72%​74%​76%​78%​80%​...​100%

In der Rentenphase muss ich die Rente versteuern. Auch da ändert sich die Höhe der Rente, die ich versteuern muss.
Bei Rürup ist, im Vergleich zur Riester-Rente (Riester), mit den Fondsversionen eine bessere Rendite möglich. Das spricht erst einmal für Rürup.

Rentenphase: steuerpflichtiger Teil (dieser gilt für die gesamten Rentenbezugszeit)

Steuer-
jahr

​2011 ​... ​2016​2017​2018​...​2021​2022​2023​...​ab 2040
​Anteil
​62% ​... ​72%​74%​76%​...​81%​82%​83%​...​100%
Unsere Generation wird die Rente zu 100% versteuern müssen. Hier fällt uns auch wieder auf die Füße, dass wir heute in der Beitragszahlphase Steuern sparen wollen. Ein Argument für diese Art der Besteuerung ist immer, dass im Alter der Steuersatz geringer sein wird als heute. Das ist richtig. Der ist geringer, weil wir in der Rentenzeit weniger Geld bekommen werden, als heute. Aber wenn ich von ohnehin schon weniger Geld, auch noch Steuern abgeben muss, macht das in meinen Augen wenig Sinn, denn dann habe ich ja noch Weniger. Denn irgendwann zahlen wir diese Steuern so oder so. Es ist also nur die Frage ob heute oder in der Rentenphase. Als wenn der Staat uns was schenkt.

Bei Rürup gibt es in der Rente keine Möglichkeit einen Teil des Geldes bei Rentenbeginn zu bekommen. Die Rente wird zwangsweise „verrentet". Also das Geld geht komplett an die Versicherung und die zahlen die garantierte Rente. Auch hier werden bei der Ermittlung der Rente Sterbetafeln verwendet. Wobei die Sterbetafeln in der Rürup-Rente nicht ganz so utopisch sind, wie bei Riester-Verträgen. Aber auch hier gilt natürlich, dass die Versicherungen nichts verschenken. Also muss auch ein Rürup-Kunde alt werden, um sein Vertragskapital wirklich zu erhalten.

Was ich an Rürup aber wirklich schlecht finde, ist, dass Rürup im Grundsatz eine „Leibrente" ist. Das bedeutet, dass sie nicht vererbbar ist. Sollte ich also 2 Monate nach meinem Rentenbeginn sterben, freut sich die Versicherung oder wie es politisch korrekt heißt, die „Versichertengemeinschaft" über das Geld, was ich angespart, aber nie bekommen habe. Ich kann zwar einen „Hinterbliebenenschutz" vereinbaren, aber diesen lassen sich die Versicherungen natürlich gut bezahlen.

Rürup ist Hartz IV und Insolvenzgeschützt, kann aber auf der anderen Seite auch nicht gekündigt werden. Ich kann sie maximal beitragsfrei stellen.

Ich bin tatsächlich ein wenig hin und hergerissen, wenn es um Rürup geht. Ich kann mir Rürup als wirkliche Basis-Rente vorstellen. Das heißt den Vertrag so bauen, dass es die Differenz zwischen der gesetzlichen Rente und den Fixkosten deckt. Ist aber natürlich im Einzelfall zu prüfen und durchzurechnen. Wer in der Rentenzeit jedoch ein wenig mehr Geld haben möchte, um sich noch mal was zu gönnen oder nicht knapp über dem Minimum zu leben, sollte sich eher für eine andere Form der Altersvorsorge entscheiden.

Rürup ist ein zweigeteiltes Spiel,
werde ich alt, bekomme ich von der Rente sehr viel.
Sterbe ich früh, freut sich die Versicherung
und meine Erben schauen dumm.
Andererseits kann ich Steuern sparen
und das Geld nutzen um den Urlaub zu bezahlen.
Schlussendlich würde ich „Jain" sagen
und das mit jedem individuell planen.

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