Existenzbedrohende Risiken

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Pflegeversicherung

Pflegeversicherung

Welchen (Versicherungs-)Weg willst du gehen?

Und hier die ersehnte Fortsetzung zum Thema Pflegeversicherung. (Teil 1 findest du hier: Pflege – Wer soll das bezahlen?)

Es gibt verschiedene Formen der Pflegeversicherung.

  1. Die staatlich geförderte Pflege-Bahr-Versicherung
  2. Pflegetagegeld- oder Pflegekostenversicherung
  3. Pflegerente

  1. Die „Pflege-Bahr“ ist zum 01.01.2013 als staatlich geförderte private Pflegeversicherung eingeführt worden. Die Förderung beträgt 60 € pro Jahr. Dafür muss die Versicherung, die abgeschlossen wird, verschiedene Kriterien erfüllen, z.B. muss das Pflegemonatsgeld mindestens 600€ betragen, der Versicherungsbeitrag muss mindestens 120 € im Jahr betragen etc. Wer seinen Wohnsitz im Alter ins Ausland verlegen möchte, kann die Versicherung nur behalten, wenn er auch weiterhin in Deutschland kranken- und pflegeversichert ist.

    Jeder Mensch, unabhängig von seinen Vorerkrankungen etc. kann eine Pflege-Bahr Versicherung abschließen.
    Die Pflege-Bahr ist eine reine Risikoversicherung. Sollte also die Zahl Leistungsempfänger, die im Laufe der Zeit Geld erhalten, steigen, steigen auch die Beiträge für alle Versicherten.

    In dieser Kombination liegt dann auch eines der größten Risiken. Denn da auch vorerkrankte Menschen eine Pflege-Bahr abschließen können, sind die Beiträge aufgrund des hohen Risikos finanzmathematisch schon hoch. Das bedeutet, dass „gesunde“ Menschen hauptsächlich die anderen Pflegeversicherungen abschließen werden. Damit befinden sich hauptsächlich vorerkrankte Menschen in diesen Versicherungen und das Risiko, dass die Beiträge im Alter in ungeahnte Höhen steigen ist recht groß.
    Da sind dann auch 60€ Förderung pro Jahr ein Tropfen auf den heißen Stein.

    Sollte der Gesundheitszustand es zulassen, würde ich also immer von einer Pflege-Bahr abraten und eine andere Form der Absicherung empfehlen.
    (Für weitere Infos: https://www.bundderversicherten.de/Kranken-Pflege/Pflege-Bahr)

  2. Pflegetagegeld- und Pflegekostenversicherung
    Beide Versicherungen befinden sich in der Sparte der Krankenversicherungen. Das bedeutet, dass die Gelder, die eingenommen werden, direkt wieder ausgeschüttet werden. Im Grundsatz sind es also auch Risikoversicherungen. Steigen die Auszahlungen, steigen also auch die Beiträge.

    Es gibt jedoch auch Anbieter, die Tarife mit Alterungsrückstellungen anbieten. Das heißt, dass ein Teil des Beitrags, der heute gezahlt wird, langfristig angelegt wird, um im Alter die Beiträge möglichst stabil zu halten. Also die Erträge aus den angelegten Geldern werden dann für steigende Beiträge genutzt. Tarife mit Altersrückstellungen sind natürlich deutlich teurer als reine Risikotarife.

    Jedoch ist bei Risikotarifen nicht abzusehen, wie sie sich in den nächsten 20-50 Jahren entwickeln werden. Das könnte also ein Fass ohne Boden sein. Wobei natürlich auch Tarife mit Altersrückstellungen die Gefahr bieten, dass die kalkulierte Alterungsrückstellung nicht ausreicht, weil die Zahl der Leistungsfälle unerwartet hoch ist. Das Risiko ist jedoch deutlich geringer, als bei reinen Risikotarifen.

    • Pflegetagegeld ist, wie der Name schon sagt, ein Tagessatz, der gezahlt wird. In der Höhe unterscheidet er sich nach ambulanter und stationärer Pflege und nach den Pflegestufen. Die Tagessätze sind individuell festlegbar.

      Ich mag diese Form der Versicherung, in einem Tarif, der Alterungsrückstellungen bietet. Denn die vereinbarten Tagesätze werden gezahlt, sobald die Pflegestufe festgestellt ist. Die tatsächlichen Kosten sind irrelevant.

    • Pflegekostenversicherung ist auch recht eindeutig. Dort werden nämlich die tatsächlich anfallenden Pflegekosten als Basis genutzt. Entweder werden die gesetzlichen Pflegeleistungen um einen bestimmten Prozentsatz aufgestockt oder die anfallenden Restkosten werden ganz oder zum Teil übernommen. Ein Nachteil, den ich sehe ist, dass alle Kosten belegt werden müssen. Also jedes Rezept, alle Fahrtkosten, jede Rechnung muss eingereicht und genehmigt werden. Oft sind in den Tarifen auch Fallstricke enthalten, so dass z.B. Leistungen für vollstätionäre Pflege ausgeschlossen sind.

      Die Versicherung ist ok. Jedoch wäre es mir zu aufwendig, ständig die Kosten mit der Versicherung abrechnen zu müssen. Das möchte ich den Kindern oder Nachkommen meiner Kunden nicht antun.

  3. Die Pflegerente ist ein Produkt aus dem Lebensversicherungsbereich. Damit ist sie der Berufsunfähigkeitsversicherung sehr ähnlich. Denn auch hier werden die Beiträge für mich angelegt und im Leistungsfall bekomme ich meine Beiträge plus die Erträge als Rente ausgezahlt. Wenn für die Überschüsse die Variante „Sofortverrechnung“ gewählt wird, kann ich meinen Zahlbeitrag im Vergleich zum finanzmathematischen Beitrag reduzieren.

    Da die Versicherungen das Risiko einer Pflegebedürftigkeit wohl recht hoch einschätzen, sind die Tarife schon bei vergleichsweise geringen Rentenhöhen recht teuer, also meist ähnlich wie die Beiträge für die Berufsunfähigkeitsversicherung. Um den Beitrag bezahlbar zu halten, sind also nur mittelmäßige Rentenhöhen möglich. Das würde bedeuten, dass im Alter trotzdem eine Lücke bleibt, die Kinder oder Enkel schließen müssen.

    Da es sich bei der Pflegerente um ein „kapitalgedecktes“ Produkt handelt, können die Beiträge maximal bis zur Höhe des ausgewiesenen Brutto-Beitrags steigen. Das bietet bei den Beiträgen die höchste Sicherheit.

 

Fazit: Ich empfehle nach genauer Betrachtung ein Pflegetagegeld mit Alterungsrückstellungen. Die Pflegesätze sind individuell nach den Kosten für Pflegeleistungen in der jeweiligen Region festlegbar. Die Beiträge sind auch für gute Tagessätze meist zahlbar.

Es besteht jedoch bei allen Varianten ein gewisses Restrisiko, dass die Versicherungsleistung im tatsächlichen Pflegefall nicht ausreicht und Rücklagen genutzt, Immobilien verkauft oder die Kinder zur Kasse gebeten werden müssen. Jedoch ist jede Absicherung, ob Tagessatz oder Rente eine Entlastung für die Nachkommen.

Und ich sehe eine Alternative, zumindest für Menschen, die jünger sind als 40. Dort könnten nämlich die Beiträge für die private Altersvorsorge aufgestockt werden. So könnten evtl. anfallende Pflegekosten besser gedeckt werden. Der Vorteil wäre, dass das Geld nicht, wie bei einer klassischen Versicherung, weg wäre, sollte der Leistungsfall nicht eintreten. Aber schlussendlich ist es immer wieder eine individuelle Betrachtung, die angestellt werden muss.

Nach intensiver Überlegung, ob ihr eine Absicherung des Pflegerisikos für sinnvoll haltet und der Lektüre dieses Artikels seid ihr nun bestens gerüstet, um mit eurem Berater oder mir (Achtung Schleichwerbung. ;-)) über das Thema zu sprechen, euch Angebote für das Produkt eurer Wahl einzuholen und dann anhand aller Faktoren eine Entscheidung zu treffen. Und danach könnt ihr das Pflegethema für euch selbst wegpacken und euch mit den schönen Dingen des Lebens beschäftigen.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein schönes Wochenende.

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