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Pflege – Wer soll das bezahlen?

Pflege – Wer soll das bezahlen?

Ein Thema mit dem ich mich gerade für einige Kunden beschäftige ist das Thema Pflegeversicherung.

Eigentlich schlimm, dass ich mich damit beschäftigen muss. Denn es bedeutet, dass es nicht zu den „Standard"-Versicherungsthemen gehört, die ich nachts aus dem Schlaf gerissen, sofort erklären könnte. Es bedeutet, dass ich viel zu wenig mit meinen Kunden über das Thema rede. Ich weiß aber auch warum. Eine gute Pflegeversicherung ist echt nicht günstig und neben Berufsunfähigkeit und Altersvorsorge noch mehr Geld für Versicherungen ausgeben, schreckt mich. Dabei ist die Pflegeversicherung tatsächlich immer wichtiger.

Aber nun bin ich ja „drauf angesetzt worden" und will euch meine Erkenntnisse und Überlegungen natürlich nicht vorenthalten.

Wenn ich mal mit Kunden oder Freunden über Pflege spreche, hat jeder Beispiele. Entweder aus der Familie, dem Freundes- oder Bekanntenkreis oder der Nachbarschaft. Jeder kennt wen, der damit mal irgendwie zu tun hatte oder hatte selbst schon mal Berührungspunkte. Und dann kommen die Geschichten: Das Haus der Oma musste verkauft werden, um den Heimplatz zu bezahlen. Die Kinder und Enkelkinder werden zur Kasse gebeten. Es hat immer irgendwie mit finanziellen Nöten zu tun.

Und trotzdem ist das Thema in der Versicherungsberatung, zumindest meiner Ansicht nach, noch nicht wirklich angekommen. Die Zahl der Versicherungsverträge lag vor einem Jahr bei ca. 3 Mio. Policen. Das sind nicht mal 5% der Bevölkerung, die eine Absicherung besitzen. Zum Vergleich: Es gibt 91 Mio. Lebensversicherungsverträge in Deutschland (http://www.gdv.de/2016/04/geschaeftsentwicklung-2015-alle-zahlen-im-ueberblick/)

Und wir alle wissen, dass das Thema Pflege mit einer sehr großen Wahrscheinlichkeit irgendwann auf uns zu kommt. Bei unseren Eltern und auch irgendwann bei uns selbst. Wir werden immer älter. Der medizinische Fortschritt geht immer weiter und einfach ohne Krankheit, ohne Schmerzen mit 90 nicht mehr aufzuwachen, ist nur den wenigsten vergönnt. Also rollt das Wissen, das wir dann irgendwoher viel Geld brauchen auf uns zu. Unsere Altersvorsorge, selbst mit privaten Verträgen, reicht bei den Meisten wohl nicht mal, um das heutige Netto-Gehalt zu erreichen. Und damit sind wir von einem Heimplatz noch weit entfernt.

Schauen wir uns doch mal an, was so ein Heimplatz kostet. Der BKK Pflegefinder lässt sich hervorragend zum recherchieren nutzen.

Willkürlich hab ich mal in Hamburg den Pflegewohnstift Alsterkrugchaussee ausgewählt. Dort liegt der Eigenanteil in der Pflegestufe I bei 889 € pro Monat, in Pflegestufe II bei 1.223 € pro Monat und in der Pflegestufe III bei 1.535 € pro Monat. Das liegt preislich so im Mittelfeld.

Und dann möge man sich überlegen, wie es in unserer Generation wohl mit der Rente bestellt ist. Von der gesetzlichen Pflegeversicherung ganz zu schweigen. Ich bin der Überzeugung, dass die Sätze, die heute für Pflege gezahlt werden nicht mehr lange gehalten werden können. Also entweder steigen die Beiträge für die gesetzliche Pflegeversicherung oder die Leistungen sinken…

So sehen übrigens die Preise des Pflegewohnstifts ohne Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung aus: 1.948 € pro Monat in Pflegestufe I, 2.551 € in Pflegestufe II und 3.159 € in Pflegestufe III.

Spätestens an dem Punkt hat wohl jeder Leser leichtes Herzrasen. Also ich hatte es zumindest und hab gleich für meine Family mal was berechnet.

Denn ich halte das Risiko bzw. die Eintrittswahrscheinlichkeit für deutlich größer, als bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung und das ist eine Versicherung, die ich Jedem empfehlen würde. Da geht es um die Absicherung des Lebensstandards bei längerer Krankheit. Bei der Pflegeversicherung geht es um die Absicherung überhaupt eines Standards am Ende meines Lebens.

Da stell ich mir die Frage, wie möchte ich irgendwann von dieser Welt gehen? Wurde mein Tod lange ersehnt, weil meine Kinder monatlich für meinen Heimplatz zahlen müssen? War nicht mal genug Geld für einen Heimplatz da? Pflegt mich eine Tochter oder eine biestige zukünftige Schwiegertochter? Kommt mich meine Familie besuchen? OK entgegen einer meiner größten Absichten, male ich hier gerade ein Horrorszenario, zumindest für mich.

Ich will nicht sagen, dass ihr alle jetzt und sofort eine Pflegeversicherung braucht. Wobei doch brauchen schon. Aber ihr sollt jetzt nicht sofort in panischer Hektik eine Pflegeversicherung abschließen. Bei den privaten Versicherungen gibt es wieder unheimliche Unterschiede und Qualitätskriterien. Da das hier den Rahmen sprengt, kommen die im nächsten Artikel. Und auch die staatliche Förderung durch „Pflege-Bahr" wird behandelt.

Ich würde euch aber jetzt schon den Rat geben, euch zumindest mal mit dem Thema auseinander zu setzen. Denkt doch mal, so wie ich gerade, über das Thema Pflege bzw. Ende eures Lebens nach. Wie wünscht ihr es euch? Geht in euch und überlegt schon mal, wie viel ihr für eine private Versicherung ausgeben wollen würdet oder bereit seid auszugeben oder ob ihr überhaupt bereit seid, dafür Geld auszugeben. Lest den nächsten Artikel und sprecht dann mit eurem Berater oder mir (Achtung Schleichwerbung ;-)).

Glaubt mir, egal wie ihr euch entscheidet, nach der Entscheidung geht es euch deutlich besser und andere „Horrorszenarien-Maler" können euch nicht mehr verunsichern. Ich denke nämlich, dass sich auch die Branche dem Thema noch genauer annehmen wird. Und dann ist der „Edeka-Opa" im Altersheim ein perfektes Horrorszenario und es kommt zu „Panikkäufen". Davor möchte ich euch gerne schützen.

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