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Die Angst vor Altersvorsorge – ein unordentliches Gefühl

Die Angst vor Altersvorsorge – ein unordentliches Gefühl

55% der Deutschen halten eine weitere Anlage in private Altersvorsorge für nicht zielführend. Diejenigen, die noch Altersvorsorge machen wollen, wollen dafür selbst genutzte und vermietete Immobilien nutzen. Unter dem Damokles-Schwert der Altersarmut, über die ich bereits geschrieben habe, halte ich diese Zahl für sehr dramatisch.

Die Deutschen wissen also schon, dass eine Menge Menschen von Altersarmut betroffen sein wird, wollen jedoch nicht privat fürs Alter vorsorgen? Das klingt für mich irgendwie gegensätzlich. Oder nach einer boomenden Euthanasie-Branche in 30 bis 40 Jahren. Oder nach einer großen Angst vor Altersvorsorge.

Ich versuch es dazu einfach mal mit Richard David Precht und sage, dass Angst vor Altersvorsorge ebenso wie Liebe ein unordentliches Gefühl ist. Sie ist nämlich nicht rational, das heißt sie ist nicht begründbar. Angst ist ein Gefühl in uns. Kein äußerer Einfluss hat es ausgelöst. Es ist nicht wie Hunger, Durst oder Müdigkeit ein Grundbedürfnis.

Angst entsteht rein in unserer Gefühls- und Erfahrungswelt und diese Erfahrungswelt entscheidet auch, wovor wir Angst haben. Denn Angst entsteht meistens als Reaktion auf eine schlechte Erfahrung, die wir gemacht haben oder die Menschen in unserer Umgebung gemacht haben. Oder es ist eine „weitergegebene" Angst. Denn wenn schon meine Eltern Angst vor etwas haben, wachse ich quasi mit dieser Angst auf. Also hab ich logischerweise auch Angst davor.

Angst führt immer zu Untätigkeit. Wenn wir Angst haben erstarren wir. Wir fühlen uns unsicher, unwohl und bedroht. Wir wissen jedoch oft noch nicht mal, wo die Bedrohung her kommt. Also haben wir auch davor Angst. Von wo wird der Angriff kommen? Wie kann ich mich verteidigen? Kann ich mich überhaupt verteidigen?

Wozu eigentlich dieser Exkurs in die Psyche des Menschen? Ganz einfach. Um zu erläutern, dass auch die Angst vor der Altersvorsorge, wie die Angst vor Spinnen, ein irrationales Gefühl ist. Und wie begegnen wir am besten irrationalen Gefühlen und Ängsten? Richtig, indem wir uns mit ihnen auseinander setzen. Also legen wir los.

Hmmmm. Ehrlich kann ich gar nicht so richtig sagen, warum die Deutschen Angst vor Altersvorsorge haben. Aber auch logisch. Ich versteh ja auch, was da passiert.
Aber nun hab ich diesen Job ja auch irgendwann mal angefangen und ich versetze mich mal in die Zeit davor und schaue, was ich da über Altersvorsorge gedacht hab.

Ich wusste, dass ich was machen muss. Ich hatte aber keine Ahnung davon, ob Riester, Betriebliche Altersvorsorge oder sonst was. Und ich hatte keine Ahnung wie viel ich denn eigentlich zurücklegen muss oder wie viel ich im Alter tatsächlich mal brauchen werde. Von Inflation mal ganz zu schweigen.

Außerdem hat jeder Anbieter im Internet und in Gesprächen immer wieder betont wie toll er ist, warum er so viel toller ist als die Anderen und warum die Anderen mir alle Quatsch erzählen. Auch da war ich ängstlich. Wem soll ich trauen? Kann ich überhaupt jemandem trauen? Kann ich das allein entscheiden? Was soll ich überhaupt entscheiden? Wenn ich die falsche Entscheidung treffe, verliere ich bestimmt viel Geld.

Also hab ich es einfach immer weiter vor mir her geschoben. Irgendwann ist sicher der richtige Zeitpunkt sich damit zu beschäftigen. Und dann hab ich auch ganz viel Zeit mich da einzuarbeiten und nach einem passenden Berater zu suchen. Hab ich gedacht…
Das waren also meine Ängste.

Und ich habe tatsächlich die Lösung bzw. den Lösungsweg für diese Ängste:

  1. Fangt an: Den größten Fehler macht man, indem man gar nichts macht. Also sucht euch eine Bank einen Berater etc. raus und lasst euch da beraten. Und schließt auf keinen Fall direkt was ab. Geht zum nächsten Berater, Anbieter etc. und macht das gleiche Spiel noch mal.
  2. Investiert einmal die Zeit. Euer Lebensstandard im Alter wird es euch danken
    ich selbst hab damals ca. 8 Beratungs-Stunden in meine Altersvorsorge investiert. Das ist im Vergleich dazu, dass ich mit bzw. von der Entscheidung ca. 30 Jahre leben muss und im Laufe meines Lebens eine Menge Geld dort investiere, wirklich wenig.
    Ich weiß, dass ihr keine Lust habt euch mit dem leidigen Thema zu befassen. Aber ich sage euch aus Erfahrung. Das einmal ordentlich zu lösen, spart euch im Anschluss viel Lebenszeit, Geld und Sorgen und Ängste. Damit kommen wir zu 3.
  3. Entscheidet nach Zahlen, Daten, Fakten und Gefühl
    Lasst euch erklären, was wichtig ist, worauf es im Vertrag ankommt. Welche Altersvorsorgeformen für wen gut sind etc. Dabei werdet ihr manche Informationen von allen hören, dann sind sie wohl korrekt. Wenn ihr Infos nur einmal hört, könnte es Marketing-Gewäsch gewesen sein.
    Werdet zum Detektiv eurer eigenen Altersvorsorge. Was steckt drin? Wer verdient wie viel? Wer hat ein Interesse? Stellt Fragen. Wenn ihr etwas nicht versteht, liegt es wahrscheinlich nicht an eurem IQ, sondern der Vertriebsschulung des Beraters. Alles möglichst kompliziert ausdrücken, ist in der Branche üblich. Nehmt es also nicht persönlich.
    Entscheidet nach allen Fakten aber auch nach Gefühl. Was fühlt sich richtig an? Womit habt ihr ein gutes Gefühl? Fast so schlimm wie keine Altersvorsorge haben ist nämlich eine zu haben und Angst zu haben, dass es die falsche Entscheidung war. Also muss das Gefühl auch in die Entscheidung einbezogen werden

Schlussendlich kann die Entscheidung auch sein, keine Altersvorsorge zu machen.

So oder so könnt ihr das Thema aber, sofern ihr euch einmal damit auseinander gesetzt habt, zu den Akten legen. Ihr braucht dann keine Angst mehr vor Altersvorsorge zu haben, denn ihr habt eine Entscheidung getroffen. Damit ist der Angst dann quasi der Nährboden entzogen und das unordentliche Gefühl im Kopf ist auch vorbei.

Die Angst ist ein unordentliches Gefühl,
Die Angst ist ein unzweifelhaftes Gefühl,
Die Angst ist ein absolutes Gefühl.

Aber Gefühle kann man nicht beeinflussen.
Man kann ihnen mit Zahlen und Fakten begegnen,
Man kann ihnen mit Befriedigung der Angst begegnen oder
Man kann ihnen mit erhobenem Haupt begegnen.
Also Kopf hoch, einmal durch das Altersvorsorgedickicht durch
Und sich dann auch wie Robin Hood fühlen und der Retter der eigenen Welt sein.

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