Existenzbedrohende Risiken

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Banken auf Kunden(rück-)fang

Banken auf Kunden(rück-)fang

Gehört hab ich es die letzten Wochen von so einigen Bekannten und Kunden: Die Banken sind dabei ihre Kunden anzurufen, Beratungsgespräche zu legen, um den unschuldigen Kunden eine neue Altersvorsorge, Hausratversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung oder Krankentagegeldversicherung zu verkaufen.

Das es den Banken schlecht geht und die ersten in großen Stile Filialen schließen, führt bei den anderen wohl dazu, dass mehr Umsätze im Versicherungsbereich generiert werden sollen. Wo denn auch sonst. Im Sparer-Bereich ist bei den Banken momentan ja gar nichts zu holen. Eher im Gegenteil, wo immer mehr von Negativ-Zinsen sprechen. Also stürzt man sich auf…..
Na klar Versicherungen. Versicherungen gehen halt immer. Für Versicherungen gibt's keine Konjunktur, wenn man es nur richtig anstellt.

Aber Moment mal. Banken verkaufen Versicherungen? Ja, historisch gewachsen schon Ewigkeiten. Aber macht das wirklich Sinn? Bankkaufleute haben rein theoretisch keinerlei Kompetenz Versicherungen zu verkaufen. Die Ausbildung beinhaltet keine Versicherungsbausteine und wenn sich ein Bankkaufmann als Versicherungsberater selbstständig machen will, muss er die entsprechende IHK-Ausbildung genauso machen, wie jeder andere Quereinsteiger.

Jeder Versicherungsberater, egal ob gebundener Vertreter oder unabhängiger Makler, muss, wenn er sich selbstständig machen will, die „Sachkunde" nachweisen, also die bestandene IHK-Prüfung. Ohne geht nichts. Also kann man ein gewisses Fachwissen zumindest voraussetzen. Nicht so bei den Bankberatern. Die dürfen rein aus ihrer Funktion als Angestellte raus, die Produkte der Versicherung verkaufen. „Schuster bleib bei deinen Leisten" würde mein Opa da ins Feld führen.

Aber es ist natürlich auch einfach für die Berater. Als Jugendlicher hat man dort sein erstes Taschengeld-Konto, dann kommt das Ausbildungsverhältnis, der Termin bei der Bank für die Änderung des Giro-Kontos und „Zack", noch schnell einen Bausparvertrag und die Riester-Versicherung mit verkauft. Und dann immer wieder zwischendurch Termine, wo dann nach und nach weitere Versicherungen verkauft werden. Ich hab einige Kunden, die so an ihre gesamten Versicherungen gekommen sind.

Hinzu kommt, dass natürlich der Bankberater auch nur die Produkte der angebundenen Versicherungen verkaufen kann. Bei den Volksbanken ist das hauptsächlich die R+V und deren Töchter, bei den Sparkassen die Provinzial oder neue Leben, bei der Deutschen Bank die Zürich und so weiter. Diese Versicherungen sind in den teuren Tarifen meist auch leistungsseitig gar nicht schlecht. Jedoch ziemlich teuer, wenn nicht schon überteuert.

In meiner Rangordnung der Berater (Versicherungsberater) ist also der Bankberater das letzte Glied der Kette. Er hat kein Fachwissen und kann nur die eine, meist teure Versicherung verkaufen. Klingt nach einem richtig guten Geschäft für die Kunden.

Das haben dann im Laufe der Jahre auch die Kunden gemerkt und immer mehr haben ihre Versicherungsprodukte nicht mehr bei den Banken bzw. deren Versicherern. Auch ich habe einige meiner Kunden von diesen Versicherungen befreit. Die meisten haben bloß bei den großen Verträgen reagiert, die wir gekündigt oder freigestellt haben.

Nun scheinen Banken das Versicherungsgeschäft aber als Heilbringer ausgerufen zu haben und los geht's. Die Kunden werden angerufen, es wird ein „Beratungsgespräch" vereinbart und schon sitzt man dort und soll seine Versicherungssituation offen legen, für einen „unverbindlichen" Vergleich.

Und weil vielleicht die einzige Kompetenz, die sich die Berater angeeignet haben, das Erzeugen von Angst ist, unterschreibt der Kunde vielleicht am Ende etwas, dass er nicht braucht oder schon hat. Denn darin sind sie wirklich gut. Düstere Situationen aufmalen, die nur durch eine Versicherung gelöst werden können.

So hat mal eine Bekannte, die Geld für neugeborenes Baby anlegen wollte, eine Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr gekauft. Völlig schwachsinniges Produkt. Entweder sparen oder eine Versicherung. Oder wenn beides, bitte separat. Die einzige, die bei diesen Kombiprodukten nämlich gewinnt, ist die Versicherung. Die nutzen erzeugte Ängste der Eltern und verkaufen ein völlig überteuertes Produkt, an dem sie selbst natürlich mehr verdienen, als an einem Sparbuch oder Sparplan.

Ein anderer Kunde von mir ist in diesem „Beratungsgespräch" bei seiner Bank darauf hingewiesen worden, dass seine Berufsunfähigkeitsversicherung ihn nur bis zum Alter von 65 absichert. Das sei fahrlässig. 67 sei schon notwendig. Also hat die nette Beraterin da mal was gerechnet. Und siehe da, es gab eine Absicherung bis 67, die sogar noch etwas günstiger war, als seine bestehende. Dass sich dabei seine Berufsunfähigkeitsrente halbieren würde und unterm Hartz IV-Niveau liegen würde, hat sie ihm nicht erzählt. Ist ja auch unwichtig, ob er im Falle einer Berufsunfähigkeit 700€ oder 1.500€ pro Monat bekommt. Gut, dass der Kunde im Gespräch mit mir einiges Wissen mitgenommen hat und seine Beraterin darauf hinweisen konnte. Die war etwas perplex und hatte plötzlich keine Argumente mehr.

Hinzu kommen dann seltsame Bonus-Leistungen. „Wenn du 5 Versicherungen bei uns hast, bekommst du das Girokonto gratis." Kurz drüber nachgedacht… Warum sollte ich mehr als nötig für die Versicherungen bezahlen, um dann die Kontoführungsgebühr zu sparen. Es gibt schließlich auch beides. Konten ohne Kontoführungsgebühr und gleichzeitig gute günstige Versicherungen. Da spart der Kunde dann quasi doppelt. ;-)

Auch ich finde es traurig, was mit den Bankfilialen und deren Mitarbeitern passiert. Aber letztendlich ist das das System unserer Marktwirtschaft. Ob da 300 Bankfilialen geschlossen werden oder Opel 5.000 Leute entlässt. Es ist beides traurig, aber leider der Lauf der Wirtschaft.

Also lasst euch bitte nicht darauf ein, von euren Banken Versicherungsprodukte zu kaufen. Genauso gut könntet ihr vom Opel-Angestellten Versicherungen kaufen…


Banken verkaufen wieder mehr Versicherungsprodukte
für mich etwas, wo ich ganz schön komisch guckte.
Schließlich haben Banken keine Ahnung von Versicherung
aber anscheinend ist das keine Voraussetzung.
Hauptsache der Rubel rollt,
egal wo dem Kunden nachher was fehlt.
Also bitte lasst die Finger davon oder prüft skeptisch
Sonst ziehen sie euch (un)bewusst über den Tisch.

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