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Altersvorsorge für Selbstständige – Wer die Wahl hat, kann selbst entscheiden

Altersvorsorge für Selbstständige – Wer die Wahl hat, kann selbst entscheiden

Für einige meiner Kunden beschäftige ich mich gerade mal wieder mit der Frage, ob sich ein Selbstständiger freiwillig gesetzlich versichern oder ob eine private Altersvorsorge das Mittel der Wahl sein sollte. Da zumeist fast jeder selbstständig Tätige irgendwann vor dieser Frage steht, beleuchten wir das Thema heute mal.

Gesetzliche Rentenversicherung:

  • Es handelt sich um ein Umlageverfahren. Das bedeutet, die Beiträge die heute eingezahlt werden, werden direkt als Rentenzahlung an die heutigen Rentner ausbezahlt. Im Gegenzug erwirbt man einen „Rentenanspruch". Dieser ist in seiner Höhe jedoch nicht festgelegt oder garantiert. Er ist aller Voraussicht nach davon abhängig, wie viel Geld im Rentenalter in die Rentenversicherung eingezahlt wird. Da wir aus der demografischen Entwicklung sehen können, dass wir immer älter werden, damit auch länger eine Rentenzahlung erhalten, dafür aber immer weniger Kinder bekommen, ist das ein ziemlich unsicheres System. In einem anderen Artikel bin ich zur vsl. Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung etwas ausführlicher. Zum Artikel geht es HIER.
  • Da es sich um die gesetzliche Rentenversicherung handelt, haben wir keine direkten Einflussmöglichkeiten auf das System oder die Rentenhöhe. Ganz im Gegenteil. Der Gesetzgeber kann das System jederzeit verändern, wandeln oder komplett abschaffen, ohne dass wir direkt widersprechen könnten.
  • Zu Rentenbeginn erhält der Kunde die zu diesem Zeitpunkt von der Rentenversicherung ausgerechnete Rente, als eine feste monatliche Zahlung.
  • Das eingezahlte Kapital bzw. die Rente ist nicht vererbbar. Sollte der Kunde also kurz nach Rentenbeginn sterben, erhält maximal der hinterbliebene Partner eine winzige Hinterbliebenenrente. Das Verhältnis zwischen Einzahlung und Auszahlung wäre unausgeglichen und der Staat bzw. die anderen Rentner wären der Gewinner. Andersherum können wir natürlich unfassbar alt werden und erhalten die gesamte Zeit die angegebene Rente. Dann wäre der Rentner der Gewinner des Systems.
  • Die Beiträge, die in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt werden, können steuerlich geltend gemacht werden. Im Jahr 2017 können konkret 84% der Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung angegeben werden. Bis 2025 steigt dieser Prozentsatz jährlich um 2% und ab 2025 sind dann 100% der Aufwendungen steuerlich absetzbar.
  • In der Rentenphase zahlen wir dann die Steuern, die wir vorher gespart haben, denn die komplette Rente, die wir erhalten ist steuerpflichtig.
  • Bereits erworbene Ansprüche in der gesetzlichen Rentenversicherung können nach 5 Jahren Einzahlung nicht mehr verfallen, auch wenn danach nie wieder eingezahlt wird. Natürlich ist dann die spätere Rente entsprechend gering.
  • Außer Mitarbeiter und Berater der Rentenversicherung gibt es wohl keine Menschen mehr in Deutschland die der Meinung sind, dass die gesetzliche Rente einmal zum Leben reichen wird. Daher sollte ohnehin zusätzlich eine private Altersvorsorge bespart werden.

Private Altersvorsorge:

  • Hier gehe ich von einer Fondsgebundenen Rentenversicherung aus. Das bedeutet der komplette Beitrag, abzüglich Kosten, wird in Fonds investiert. Es handelt sich dabei um ein kapitalgedecktes Verfahren. Das eingezahlte Geld wird in die gewählten Fonds investiert und erwirtschaftet eine Rendite.
  • Zu Rentenbeginn steht dann das erwirtschaftete Geld zur Verfügung. Je nach Ausgestaltung des Vertrages kann dann der Kunde entscheiden, ob er eine monatliche feste Rente, das volle Kapital ausgezahlt oder eine Mischform erhalten möchte.
  • Sollten alle Stricke reiße und zu Rentenbeginn kaum Geld zur Verfügung stehen, sodass die Rente extrem gering ausfallen würde, würde der Kunde Grundsicherung beantragen können.
  • Der Kunde hat mit seinem Berater zusammen aber die Zügel in der Hand, die Stricke nicht reißen zu lassen. Das heißt er hat direkte Einflussmöglichkeiten auf die Geldanlage und wie hoch die gewählten Risiken sein sollen.
  • Das Geld in diesen Verträgen ist vererbbar. Das bedeutet sowohl vor Rentenbeginn, als auch während der Rentenphase wird entweder das vorhandene Kapital vererbt oder es gibt eine Rentengarantiezeit in der die Erben die vereinbarte Rente erhalten.
  • Die Beiträge, die eingezahlt werden, sind steuerlich nicht absetzbar.
  • In der Rentenphase sind dafür nur 50% der Erträge, die unser Geld erwirtschaftet hat steuerpflichtig. Das bedeutet die Steuerlast ist deutlich geringer, als in der gesetzlichen Rentenversicherung.
  • Es handelt sich um privatwirtschaftliche Verträge zwischen der Versicherungsgesellschaft und dem Kunden. Jeden Änderung bedarf also der Zustimmung des Kunden und „Schlechterstellungen" des Kunden sind nicht ohne weiteres möglich.
  • Die Aufzählung hier ist natürlich nur grundsätzlich zu sehen. Zwischen den einzelnen Anbietern Fondsgebundener Produkte gibt es unzählige Unterschiede. Dazu in einem späteren Artikel mal mehr.

Eine Menge Argumente für und gegen das jeweilige System. Auch wenn wahrscheinlich deutlich wird, dass ich kein Freund der gesetzlichen Rentenversicherung bin, möchte ich hier jedem Selbstständigen die Möglichkeit geben, sich zu informieren. Und wenn dann die Entscheidung auf die gesetzliche Rentenversicherung fällt, ist das ok, denn sie fällt dann in voller Kenntnis der Vor- und Nachteile. Und nur so sollten solche Entscheidungen getroffen werden. Denn kein Produkt, kein System bringt nur Vorteile mit sich. Es gibt immer Nachteile. Seien es systemische Nachteile, wie Steuerlast etc. oder gefühlte Nachteile, wie eine Abhängigkeit von Fonds und Fondsempfehlungen.

Und schlussendlich sollte es immer die eigene individuelle Entscheidung sein. Jeder Einzelne muss abwägen, welche Vorteile er unbedingt mitnehmen möchte und bei welchen Nachteilen er bereit ist Kompromisse einzugehen. Und dann ergibt es sich von ganz allein, dass sich die Waage in eine Richtung neigt und die Entscheidung fällt.

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