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5 Irrtümer der Berufsunfähigkeitsversicherung

5 Irrtümer der Berufsunfähigkeitsversicherung

In meiner täglichen Arbeit begegne ich immer wieder Ideengebern, die keine Berufsunfähigkeitsversicherung haben. Nun liegt dies oft daran, dass sich diese Menschen noch nie Gedanken darüber gemacht haben, was passiert, wenn sie berufsunfähig werden. Das kann ich übrigens sehr gut nachvollziehen. Ich wäre zu Beginn meines Studenten- oder Berufslebens auch nie auf die Idee gekommen, mich darum zu kümmern, was alles passieren kann, dass ich nicht mehr arbeiten kann.

Aber je länger ich arbeite und je älter ich werde, begegnen mir immer mehr Fälle, wo Menschen dauerhaft oder temporär aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten können. Und dann ist es zu spät für eine Absicherung und die Not ist groß.

Leider ist es bei den meisten Versicherungen so, dass wir sie so lange nicht für wichtig oder nötig halten, bis wir sie brauchen. Der größte Schaden dabei entsteht wohl, wenn das Thema Berufsunfähigkeit zu sträflich oder gar nicht behandelt wird.Dabei ist es ein so wichtiges Thema. Denn für mich ist die Absicherung gegen den Verlust der Arbeitskraft nach bzw. neben der Krankenversicherung und der Haftpflichtversicherung die wichtigste Absicherung.

In meiner kleinen Serie würde ich gerne mit den größten Vorurteilen und den landläufigen Meinungen aufräumen, die hinsichtlich dieser Versicherung bestehen und wichtige Qualitätskriterien aufzeigen.

Denn leider ist diese Versicherungsform genauso komplex und kompliziert wie wichtig. Und bei keiner anderen Versicherungsform ist ein unabhängiger Vergleich so wichtig und unerlässlich, wie bei dieser, denn eine falsche oder gar keine Entscheidung kann schnell mehrere zehn- bis hunderttausende Euro kosten bzw. dazu führen, dass wir dieses Geld nicht bekommen.

  1. Irrtum: Ich wüsste nicht, was passieren muss, dass ich nie wieder arbeiten kann
    Ich möchte es euch ersparen nun mögliche Erkrankungen aufzuzählen, die tatsächlich dazu führen können, dass ihr nie wieder arbeiten könnt.
    Es geht aber auch gar nicht um das „nie wieder". Eine „durchschnittliche Berufsunfähigkeit" dauert ca. 3-4 Jahre. Also ist die Frage, was muss passieren, dass ich 3-4 Jahre nicht mehr arbeiten kann?

    Ich denke auf die Frage fallen jedem von euch unzählige Beispiele an.Und dann stellt sich ja auch die Frage, was bedeutet „arbeiten"? Wenn ich mir als Dachdecker den Rücken kaputt schufte, kann ich ja immer noch ins Büro. Also zahlt die Versicherung nicht, denn schließlich kann ich ja noch arbeiten.
    Auch die Überlegung ist nicht korrekt.

    Eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung sichert den letzten aktuellen Beruf ab. Das bedeutet, dass der Dachdecker Leistungen erhält, wenn er nicht mehr aufs Dach kann. Genauso müsste ein ehemaliger Bankkaufmann, der zum Dachdecker umgeschult hat, nicht wieder zurück in die Bank, wenn er zuletzt als Dachdecker gearbeitet hat.

    Einen Jobwechsel müsst ihr der Versicherung also nicht mitteilen, denn er ist automatisch mitversichert.Und damit leiten wir gleich über zum zweiten Irrtum.

  2. Irrtum: Als Büromensch brauche ich keine Berufsunfähigkeitsversicherung

    Wenn ich ehrlich bin, habe ich selbst so gedacht, bis ich mich im Rahmen der Fortbildung für die IHK-Prüfung genauer mit dem Thema beschäftigen musste.
    Denn auch mit einem Bürojob geht es nicht darum, ob ihr grundsätzlich in der Lage seid zu arbeiten. Es geht darum, ob ihr EUREN Job noch machen könnt. Hätte ich mir in meinem alten Job bei der Bahn die Hüfte gebrochen und das Bett nicht verlassen dürfen, wäre ich berufsunfähig gewesen, denn ich hätte nicht zu Verhandlungen mit meinen Kunden fahren können etc.

    Eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt übrigens ab einem Berufsunfähigkeitsgrad von 50%. Das bedeutet, es reicht schon, wenn ihr euren Job zu 51% nicht mehr ausüben könnt, um Leistungen zu erhalten.

    Und nun habt ihr wahrscheinlich auch die Fälle von Bandscheibenvorfällen, Krebserkrankungen etc. im Kopf, von Burn-Out ganz zu schweigen.

  3. Irrtum: Ich bekomme doch Krankengeld

    Die gesetzlichen Regelungen verpflichten den Arbeitgeber für 6 Wochen zur Lohnfortzahlung. Sollte die Krankheit länger andauern, zahlt die Krankenkasse bis zu 78 Wochen Krankengeld. Das Krankengeld ist schon deutlich weniger, als der bisherige Verdienst.

    Es handelt sich um 70% des Brutto-Gehalts oder 90% des Netto-Gehalts. Je nachdem, welcher Wert geringer ist, wird dieser herangezogen. Davon werden dann noch Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung abgezogen. (http://www.finanztip.de/krankengeld/)Die Lücke kann man mit einer Krankentagegeldversicherung schließen, die gar nicht so teuer ist.Die größere Lücke entsteht aber nach den 78 Wochen. Denn dann gibt es kein Geld mehr von der Krankenkasse. Egal wie krank ihr noch seid oder in welcher Phase der Reha. Die Zahlungen werden eingestellt.Und damit zu Irrtum 4

  4. Irrtum: Der Staat fängt mich auf, wenn ich berufsunfähig werde

    Was also passiert nach den 78 Wochen? Also von allein passiert nichts. Dann muss der arme berufsunfähige Mensch, nämlich zum Amt wackeln und Hartz IV beantragen. Richtig gelesen. Hartz IV. Es gibt keine Zwischenstufe, kein sanftes Abfedern oder so. Der Höchstsatz Hartz IV liegt übrigens bei ca. 845 € inkl. Miete.
    Den Satz bekommt man aber natürlich nur, wenn man nicht mit seinem Partner zusammen wohnt, der sonst nämlich verpflichtet wird, mit seinem Gehalt einen Teil der Versorgung zu übernehmen. Je nach Verdienst des Partners kann die Leistung dann auch deutlich geringer als 845 € ausfallen.Sollte es sich um eine dauerhafte Berufsunfähigkeit handeln, könnte man Erwerbsunfähigkeitsrente beantragen. Dies ist jedoch bei jungen Menschen meist geringer als der Hartz IV-Satz und zudem wird ein sehr geringer Prozentsatz der Anträge tatsächlich bewilligt. Daher vernachlässige ich das hier mal.

  5. Irrtum: Wenn ich berufsunfähig werde, zahlt die Versicherung doch ohnehin nicht

    Das sind die Fälle, die auch fast jeder kennt. Der Schwager vom Bruder eines Arbeitskollegen kann nicht mehr arbeiten und die Versicherung hat nicht gezahlt. Also ist die Versicherung doch Quatsch.

    Hier schließt sich der Kreis, warum eine gute Beratung so unverzichtbar ist bei dem Thema. In vielen Fällen zahlt die Versicherung nicht, weil keine 50% Berufsunfähigkeit vorliegt. Die Einschätzung wird anhand der Arztberichte vorgenommen. 

    Oder weil die „vorvertragliche Anzeigepflicht" verletzt wurde. Das bedeutet, dass nicht alle Vorerkrankungen angegeben wurden, als der Antrag gestellt wurde. Die Gesundheitsfragen, die in den Anträgen gestellt werden, haben was von „nackig machen", denn es werden ALLE Erkrankungen der letzten 5-10 Jahre abgefragt. Die einmalige Mandelentzündung, die vlt. vergessen wird, spielt da keine große Rolle. Aber die Rückenprobleme, für die man mal Massagen verschrieben bekommen hat. Oder ganz beliebt: Zum Arzt gehen wegen akuter Unlust oder weil es gerade zu stressig im Job ist oder der Chef ein Idiot oder man für die Einschulung nicht extra Urlaub nehmen möchte oder oder oder….

    In den meisten Fällen diagnostizieren die Ärzte bei so einer Krankschreibung dann nämlich eine psychische Ursache. Und bei psychischen „Vorerkrankungen" leuchten bei den Gesellschaften sämtliche Alarmglocken.Da kann es dann auch vorkommen, dass 5 Jahre später eine Berufsunfähigkeit wegen Burn-Out eintritt, die Versicherung den Fall prüft und feststellt, dass die „psychische Krankschreibung" vor 7 Jahren nicht angegeben wurde und dann die Leistung ablehnt. Die Begründung der Gesellschaft ist dann, dass sie den Vertrag gar nicht so geschlossen hätten, wenn sie von dieser Vorerkrankung gewusst hätten und damit ist der Vertrag nichtig und die Versicherung leistet nicht. Klingt total gemein. Ist aber aus Sicht der Versicherung und auch der Versichertengemeinschaft korrekt.

    Die Versicherung prüft bei Antragsstellung (oder vorher bei einer Risikovoranfrage) den Gesundheitszustand und entscheidet über die Annahme. Ggf. werden dann Zuschläge erhoben (z.B. wenn der Kunde zu klein für sein Gewicht ist) oder es werden Ausschlüsse gemacht (z.B. Ausschluss Rücken, wenn der Kunde mehrfach Rückenbeschwerden hatte).Die Ausschlüsse sind zwar für den einzelnen Kunden gemein, schützen aber die Gemeinschaft der Versicherten. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Kunde mal aufgrund seines Rückenleidens berufsunfähig wird, ist überdurchschnittlich hoch. Durch den Ausschluss kann die Versicherung überdurchschnittliche Risiken vermeiden und die Beiträge für alle Versicherten stabil und kalkulierbar halten.Daher ist es unerlässlich bei Antragsstellung wirklich alle Krankheiten anzugeben, um spätere böse Überraschungen zu vermeiden.

    Im Zweifel kann sogar bei den Krankenkassen eine Übersicht über die Leistungen angefordert werden, die in den letzten 5-10 Jahren abgerechnet wurden. Die Berufsunfähigkeitsversicherungen sind viel besser als ihr Ruf. Und wenn ich mir die Statistik anschaue, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, mal im Laufe des Berufslebens berufsunfähig zu werden, bekommt die Absicherung eine noch wichtigere Bedeutung.

    www.statista.de --> Wahrscheinlichkeit bis zur Rente mit 65 Berufsunfähig zu werden


Also liebe Ideengeber seid nicht dumm,
schaut euch zu Berufsunfähigkeit um.
Mit einigen Irrtümern hab ich aufgeräumt,
trotzdem ist mir klar, dass ihr nicht vor Euphorie überschäumt. ;-)

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